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Auch mal down

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Es kann nicht immer gut laufen…

Ich bin über meinen Verlauf sehr zufrieden. Körperlich gab es keine großen Einbrüche bis gestern. Eigentlich darf ich mich nicht beschweren, denn mit meiner Ausgangssituation ist es eigentlich ganz normal wenn man mal einen tieferen Einbruch erlebt. Es ist ja nicht nur der Körper sondern die Psyche spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Oftmals merkt man ja nicht wie sehr das Unterbewusstsein arbeitet und sich dann auch irgendwie und irgendwann kenntlich macht. 

So ging es mir gestern eben….alles war ok soweit. Ich habe meinen Arzttermin erledigt, war in der Sprechstunde, habe meinen Medikamentenvorrat aufgefüllt, mir weiterhin eine Bescheinigung für die Erlaubnis des Medikamentes „Oxycodon“ (Opiat, BTM-Rezept) besorgt um keine Probleme am Flughafen zu erhalten, denn das kann ja passieren….schließlich sind das keine gewöhnlichen Schmerzmittel. Ich habe meine Ärztin darauf angesprochen, dass ich öfter Schwindelzustände habe bei dem mir schwarz vor Augen wird und ich für kurze Zeit das Bewusstsein verliere. Sie hat daraufhin gleich meinen Blutdruck gemessen und da war er schon auffällig niedrig. 90/60 und ich war schon eine Weile auf den Beinen…sie verschrieb mir ein Mittel für den Kreislauf, denn sie meinte das meine Bewusstseinsstörungen daher stammen.
Im Anschluss war ich bei der Krankenkasse und habe dort auch ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin geführt. Ich bin zu ihr wegen meines Antrages auf Befreiung. Sie war sehr sehr betroffen und geschockt als sie von mir hörte, dass ich an Krebs erkrankt bin und war überaus interessiert an meinem Zustand und stellte auch Fragen, nicht nur über den Gesundheitszustand sondern auch persönliche. Wir haben uns eine gute Weile unterhalten. Sie war zeitweise zu Tränen gerührt…das hat sie augenscheinlich sehr mitgenommen. So wie sie konnte hat sie auch Tipps und Ratschläge mitgeteilt…sie war absolut nett und es hat mir sehr gut getan einfach mit ihr zu reden. Wirklich sehr gut hat es mir getan. Es ging auch um Ehe und wie mein Mann damit klar kommt und wie wir als Paar das bewältigen etc. Wir haben ein recht ausführliches Gespräch geführt wo einige Themenbereiche zur Sprache kamen.
Im Anschluss dessen habe ich mich von ihr über eine Kursteilnahme für Entspannung beraten lassen. Die Krankenkasse bietet kostenfreie Kurse für Mitglieder an, die ich in der nächsten Zeit auch in Anspruch nehmen will um mein Wohlbefinden zu steigern.

Nachmittags habe ich meinem Elternhaus einen Besuch abgestattet. Meine Eltern haben derzeit Besuch von meiner lieben Tante (väterlicherseits). Mit ihr verstehe ich mich überaus gut. Sie ist ein sehr fröhlicher Mensch und man merkt ihr wirklich an, dass sie einfach helfen und ihre Freude teilen will. Es macht Spaß mit ihr zu reden und auch ernste Themen bespricht sie behutsam und sehr hilfreich. Sie hat eine ausgesprochene Lebenserfahrung, die sie großzügig mit allen Familienmitgliedern teilt. Man kann von ihr wirklich viel lernen. Sie unterstützt wie und wo sie kann mit einer so ausgesprochenen Leichtigkeit. Einfach wundervoll…eine Frau bei der ich mich sehr wohl fühle und auch verstanden fühle. Sie nimmt jeden wie er ist  und bringt ihre Ansicht sehr gut verständlich rüber ohne dich dabei ändern oder beeinflussen zu wollen. Einfach herzlich und doch bleibt sie sich immer treu. Find ich einfach prima. Ich freue mich sehr darüber, dass sie uns besucht. 

Abends zu Hause ging es mir schon nicht sehr gut aber ich dachte mir nichts dabei. Irgendwann bekam ich Herzrasen und mir wurde schwindelig. Ich habe daraufhin viel Tee und Wasser getrunken. Später als es nicht besser wurde habe ich etwas süßhaltiges getrunken, damit der Kreislauf etwas in Schwung kommt.
Das zog sich eine Weile hin. Meine Mutter hat sich große Sorgen gemacht und wollte noch zu später Stunde bei mir vorbeischauen. Mein Vater war auch der Meinung, dass sie nach mir schauen soll…ich hab sie dann beruhigt und wollte nicht, dass sie so spät noch kommen muss. Die Arme arbeitet ja selbst und ich wollte sie nicht mehr belasten als nötig. Mein Vater steht jeden Morgen um 3 Uhr (Nachts) auf um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen in Frankfurt. Er kommt dann meist um 20 Uhr nach Hause und ist auch um 21 Uhr wieder im Bett…manchmal kommt er sogar noch viel später nach Hause. Das tut mir sehr leid….das ist sehr anstrengend für ihn. Deswegen möchte ich meine Eltern auch etwas entlasten und ihnen die große Sorge um meine Gesundheit nehmen. Mein Vater ruft fast jeden Tag von der Arbeit aus an um nach mir zu fragen. Sie machen sich große Sorgen.
Ich habe dann auch nicht gesagt, dass es mir eher schlechter als besser geht.
Irgendwann bin ich dann auf dem Weg ins Schlafzimmer zusammengebrochen! Ich lag auf dem Boden und mein Körper fühlte sich an wie ein schwerer Zementsack. Ich war platt…ich konnte meine Augen nicht öffnen, sie waren zu schwer. Ich konnte nicht aufstehen, ich bin einfach zusammengesackt. Nur mit Mühe konnte mich mein Mann dann ins Schlafzimmer bringen. Schrecklicher Zustand der Hilflosigkeit. Ich habe dann Zitteranfälle bekommen, mal gefroren, mal nicht….immer wieder Zitteranfälle. Irgendwann war ich wieder etwas klarer. Ins Krankenhaus wollte ich nicht.
Es hat eine lange Weile gebraucht, aber irgendwann hab ich dann noch einen Joghurt gegessen. Hatte mir dann auch geholfen etwas klarer im Kopf zu werden.

Heute geht es mir etwas besser. Mein Bein ist wieder etwas steif. Ich fühle mich geschwächt aber besser als gestern ist es in jedem Fall. Also eine Steigerung.

Ich mache da jetzt keine große Sache daraus. Ich halte es für normal wenn man mal so einen Einbruch erleidet. Es ist eben alles viel….und mein „viel“ ist eben nicht dasselbe wie von einem gesunden „viel“. Ich muss eigentlich einen Gang zurück schalten. Aber alles kann man eben auch nicht vermeiden, denn schließlich lastet nach wie vor alle Verantwortung auf mir. Das ist eben eine Belastung, die nicht zu verleugnen ist und das bleibt sie auch. Aber ich kann es nun mal nicht ändern und muss das bewerkstelligen auch wenn ich dafür eigentlich kaum Kraft habe….

Morgen kommen mich  2 ganz liebe Freundinnen besuchen. Da freue ich mich schon sehr darauf. Wir haben gemeinsam die MTA-Ausbildung absolviert und die beiden studieren mittlerweile sehr erfolgreich Medizin. Von Herzen wünsche ich ihnen, dass sie ihr Studium zu ihrer vollsten Zufriedenheit abschliessen. Ich bin überzeugt, dass sie ganz tolle Ärzte werden und sie somit ganz vielen Menschen helfen können. Wir hatten eine schöne Zeit während der Ausbildung…unvergesslich…eine Zeit, die uns sehr verbindet und unsere Freundschaft noch tiefer und enger gemacht hat. Ich hab sie sehr sehr lieb und sie sind fest in meinem Herzen verankert, ❤ ❤ ❤

Versteckspiel…

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Nach der schrecklichen Diagnose: Unfruchtbarkeit wurde mir bewusst, dass die fast „vergessene“ Fanconie-Anämie immernoch aktuell ist und bleibt. Mir war wohl bewusst, dass in meinem Fall es schwierig wird ein Kind zu bekommen auf natürliche Art und Weise aber dass es nun unmöglich erschien war für mich ein Schock!  Ich wollte normal arbeiten, heiraten,  ein Häuschen, reisen und dann irgendwann 2 Kinder. 🙂

Irgendwie denke ich, dass ich sehr naiv war…zu glauben ich könnte ein ganz normales Leben führen….

Mein Leben verlief weiter….ich habe die Krankheit versteckt. Ich wollte damit keine Aufmerksamkeit erregen, denn das hatte immer Mitleid als Nachfolgereaktion. Ich wollte ernst genommen werden, geliebt werden…ich wollte einfach normal sein….ohne immer wieder auftretende Hindernisse, verursacht durch die Krankheit. Deswegen wussten auch nicht sehr viele von meinem Schicksal. Aber ich war nicht verschlossen, hatte ich vertrauen so erzählte ich es auch…ich hatte ja kein Problem mit der Krankheit….ich wollte eben nur normal leben.

Um normal zu sein muss man sich auch normal verhalten. Man muss vergleichbare Leistungen bringen. Ich habe mich nicht geschont. Nach dem ich mein Examen zur MTRA hatte (ich war so glücklich!) entschloss ich mich in die Strahlentherapie zu gehen. Es war schon immer mein Traum in dem Bereich zu arbeiten. Mit Menschen zu tun zu haben, die schwer krank sind und denen ich mich zuwenden konnte, die ich unterstützen konnte gegen die Krankheit zu kämpfen…denen ich Energie schenke konnte….ich wollte etwas zurückgeben von dem was ich als Kind erhielt vom medizinischen Persona. Deswegen mein Entschluss und ich war so sehr glücklich als ich dann wirklich eine Stelle bekam und dann auch noch in meinem Wunschbereich. Gut ich musste dafür weiter wegziehen aber das war es mir total wert. Einfach ganz normal arbeiten….

Ich habe gelernt Fragen über meine Grösse oder über meinen fehlenden Daumen immer so zu beantworten, dass man keine weiteren Fragen hatte. Niemals wäre jemand darauf gekommen, dass ich ne Chemotherapie, eine Bestrahlung und eine Knochenmarktransplantation hinter mich hatte….

Ich habe auch dementsprechend alles gemacht, gearbeitet, getan….mich immer wieder überfordert….nicht auf meinen Körper gehört, nicht auf meinen Körper geachtet, Ernährung vernachlässigt……

Ich habe recht früh gemerkt, dass meine Grenzen schon erreicht scheinen aber ich wollte es nie wahrhaben…ich war einfach einem Wahn verfallen….ich habe alles getan um normal zu sein….und dabei viel riskiert! 

Ich wollte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wahrgenommen werden, ernst genommen werden….ich wollte nur bitte, bitte kein elendes Mitleid!

 

Verdrängung

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Im Laufe der Zeit vergass ich meine Krankheit so gut es ging. Ich verdrängte Ängste und versuchte mich mit allem zu befassen ausser mit mir selbst.

Ich habe mir immer gewünscht Medizin oder Psychologie zu studieren. Mein Abiur war leider nicht so gut….es war ein normales Abitur. Ich habe verstanden, dass ich für ein Studium meiner Wünsche etwas Geduld aufbringen muss.

Ich beschloss eine schulische Ausbildung zur Medizinisch-Technischen-Assistentin in der Radiologie, kurz MTRA, auszuüben.

Während dieser Zeit lernte ich wundervolle Menschen kennen, die mein Leben mehr als nur bereicherten und die bis heute sehr gute und enge Freunde sind.

Ich hatte immerschon bestimmte Probleme mit der Mundschleimhaut…sehr oft heftige und schmerzhafte Entzündungen, für die kein Arzt ein Mittel fand. Ich war oft etwas schwächer als die anderen aber ich wollte es mir nicht zugestehen…ich habe einfach versucht zu leben wie alle! In meinem Kopf war ich gesund…..ich hatte nur eben kleine Weh-Wehchen 🙂

Aber an einem Tag war das nicht mehr so. Da schlugen die Folgen der Krankheit wieder dermassen zu….dass ich den Boden unter den Füssen verlor….!